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David Schuller erhält Kärntner Lyrikpreis 2011

David Schuller

David Schuller: Mit Schläger und Feder


KAC-Crack David Schuller (31) erhält am Donnerstag den Kärntner Lyrikpreis 2011. Der gebürtige Steirer im Gespräch über Entwicklungsphasen, Ängste und Gegensätzlichkeiten.

 

Stadtwerke Lyrikpreis
1. Preis (3000 Euro): David Schuller

Weitere Preise (bei rund 230 Einreichungen): 2. Katharina Kaufmann, 3. Edith Darnhofer-Demar, 4. Anna Obernosterer, 5. Stefan Zefferer, 6. Sebastian Rasbornig.

Jury: Sechs Juroren unter dem Vorsitz von Josef Winkler

Landespreis (2000 Euro): wird von Josef Winkler alleine vergeben und geht an Axel Karner

Preisverleihung: 1.12.11, 18 Uhr, Festsaal der Stadtwerke Klagenfurt


Sie sind seit Jahren Eishockeyprofi und nun Kärntner Lyrikpreisträger. Wie kamen Sie eigentlich zum Schreiben?

 

DAVID SCHULLER: Einerseits durch meinen Vater, der Deutschprofessor ist und dadurch Kunst und Kultur in meinem Elternhaus immer präsent waren. Aber wahrscheinlich noch mehr durch so manch bedrückende Erfahrungen. Ich bin als 14-Jähriger nach Kanada gegangen mit der Vorstellung, die große Eishockeywelt zu erobern. Die Probleme, die ich mir erwartete, waren keine sportlichen, aber existenzielle; niemanden zu kennen, keine Bezugspersonen zu haben. Und so schaut man sich halt nach Möglichkeiten um, von den fremden Dingen anders eine Ahnung zu bekommen.

 

Mit solchen Widrigkeiten kämpfen im Sport vermutlich viele, werden aber dennoch keine Literaten.

 

SCHULLER: Das stimmt, andere werden etwas anderes machen. In der Zeit in Kanada hab ich auch eigentlich lieber gemalt, danach war Lesen mein Thema. Wobei ich keiner der eifrigen Sorte war, sondern es als Gegenpol zum strapaziösen sportlichen Alltag gemacht habe. Und aus dem, was ich gelesen habe, sind vielleicht größenwahnsinnige Vorstellungen entstanden, ob man das nicht selbst auch so hinbringen würde.

 

Deshalb haben Sie am Literatur-Wettbewerb teilgenommen?

 

SCHULLER: Nein. Von diesem Lyrikbewerb habe ich durch Zufall aus der Zeitung erfahren und versucht, drei Gedichte zu schreiben, mit denen ich zufrieden bin. Ich habe es auch niemandem gesagt, weder meiner Freundin, noch meinen Eltern, da die Angst, mich lächerlich zu machen, doch groß war. Selbst zu beurteilen, ob die eigenen Texte überhaupt Qualität haben, ist schwierig.

 

Das scheint aber der Fall zu sein.

 

SCHULLER: Gott sei Dank! Dass es beim ersten Anlauf gleich für einen Preis reicht, ist natürlich ein Wahnsinn. Und auch eine gewisse Genugtuung, dass das, was man so schreibt, gewürdigt wird.

 

Ist Ihr Leben nicht geprägt von Gegensätzlichkeiten? Zum einen Eishockey, eine extrem schnelle Sportart, die dann auf die Bedächtigkeit der Literatur prallt?

 

SCHULLER: Das stimmt wahrscheinlich. Und ich bin mir auch noch nicht ganz sicher, ob ich das immer so leicht und abrupt trennen kann. Vermutlich bin ich auch am Eis ein Grübler und plage mich öfter, es einfach laufen zu lassen. Den in Sportlerkreisen berüchtigten "Flow" erlebt man schließlich nicht jeden Tag. Beim Schreiben fühle ich mich dann teilweise wohler, weil ich dort die nötige Zeit habe.

 

Wieso funktioniert es dann trotzdem? Sie sind ja seit Jahren eine sportliche Fixgröße.

 

SCHULLER: Da fällt mir ein Satz eines Trainers ein, der mich in Kanada trainierte, und irgendwie dazu passt: "Be quick, but don't hurry". Also vielleicht gibt es doch Gemeinsamkeiten auch.

 

In welchem Metier fühlen Sie sich wohler: im Sport oder der Literatur?

 

SCHULLER: Wenn ich in der Kabine oder am Eis bin, natürlich in meinem gewohnten sportlichen Umfeld. Allerdings auch wieder beim Schreiben, in der Hoffnung, etwas aussagen zu können, was andere auch interessiert. Sagen wir es so: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich beim Schreiben jemals den Punkt erreicht hätte, wo mir alles gelang. Wobei das beim Eishockey durchaus hin und wieder der Fall war (lacht).

 

Haben Sie literarische Vorbilder?

 

SCHULLER: Wenn wir schon bei den Gedichten sind, muss ich im Moment Friederike Mayröcker nennen. Ihre Klaviatur, ihre Fähigkeit so qualvoll und musisch zu schreiben ist unheimlich und faszinierend zugleich. Und natürlich Peter Handke, zu dessen Werken ich immer wieder zurückkehre.

 

INTERVIEW: BIRGIT KAINER/KLEINE ZEITUNG

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